1. Preis

CKRS Architektengesellschaft, Berlin

Verfasserin:

Susanne Sturm, Dipl.-Ing. Architektin

Mitarbeitende:

Phillip Sandner
Theresa Schirmer

Hilfskräfte:

Radu Slach
Elli Vögele
Matti Weyrauch

 

 

Beurteilung des Preisgerichts

Die Arbeit schafft über die baukörperliche Setzung einen klaren städtebaulichen Rahmen für die Gesamtentwicklung des Quartiers. Geradlinig nach außen gerichtet, werden die kräftig formatierten neuen Bausteine nach innen so zugeschnitten, dass ein lebendiges Wegenetz im Binnenbereich entsteht. Zudem werden die Höhen der Baukörper sinnvoll nach Norden verringert. Die vorhandene Bebauung wird darin eingebunden und dient ihrerseits als innerlicher Taktgeber für den Realisierungsbeitrag. 

Die vormalig breiteren Loggien des Bestands werden gemäß der neuen Zimmerbreite halbiert und tragen die zelluläre Struktur sichtbar nach außen. Entlang der Heiligkreuzstraße wird diese Struktur im Neubauteil fortgeschrieben. Alt und neu sollen als „ein Haus“ wirken. Dabei agiert der Entwurf nicht monoton, die Straße wird klar gefasst, in den Höhen jedoch modelliert und sich der Nachbarschaft angeglichen. Das Dach des Bestands wird zur Straße hin großzügig geöffnet und insgesamt stärker in die Gesamthaltung einbezogen.

Die Struktur des Neubaus ist als Holzkonstruktion ausgebildet, der Neubau soll zukünftig ebenso eine Holzverschalung erhalten. Diese starke Zusammenführung alt – neu wird im Preisgericht kontrovers diskutiert, eine Differenzierung Massivbau/Bestand zu Holzbau/Neubau wird durchaus als tragfähige und klare Lösung gesehen. 

Der großzügige Charakter der Gartenseite mit den luftigen doppelgeschossigen Gemeinschaftsbereichen und Freisitzen begeistert das Preisgericht und stellt einen sehr eigenständigen Beitrag zur Lösung der Wettbewerbsaufgabe dar. Die Einbindung des Bestands kommt an dieser Stelle gestalterisch sehr gut zum Tragen. Die bewusste Transparenz und Offenheit zum Garten wird zur Straße mit einem strengen, engmaschigen Raster für das Wohnen kontrastiert, gleichzeitig finden beide Seiten des Entwurfs gestalterisch zusammen.

Grundgedanke für das Wohnen ist die individuelle Zelle, die jeweils mit einer Loggia zur Straße versehen ist. Auf deren Innenseite lagern sich die Nasszellen als strukturelle Schicht davor. Küchenzeilen und frei nutzbare Zwischen-räume entwickeln einen spannungsvollen Raum, der sich über kleine, offen geführte Treppen bei den Küchen zu einem jeweils 2 Geschosse verbindenden, großzügigen Gemeinschaftsbereich mit Luftraum entwickelt und zum Garten öffnet.

Als Abschluss zum Mahngericht bildet eine skulpturale Treppe den Verbund zum Garten. Das Erdgeschoss bietet ein geräumiges Entree für das Wohnen (im Bestand) und freie Nutzungsmöglichkeiten für ein Restaurant sowie Spiel- und Freizeitbereiche (im Neubau). Dazwischen schafft die Arbeit einen angenehm proportionierten Übergang von der Straße in den Freiraum. Die klare Adressbildung schafft eine gute Orientierung.

Die Erschließung der Wohnungen liegt geschickt gebündelt im Bereich des Bestands am Übergang zum Neubau. Durch das straffe Strukturkonzept des zellulären Wohnens und die großzügigen Gemeinschaftsbereiche nach Norden wird auf eine Anhebung der Geschosshöhen im Neubau verzichtet. Mit der zentral gelegenen Erschließung und dem durchgehenden Höhenprofil im Schnitt wird insgesamt eine hohe Effizienz erzeugt.

Strukturell bedingt weißt der Entwurf mehrheitlich Wohngemeinschaften mit Gemeinschaftsbädern aus. Im Preisgericht werden ein größeres Spektrum des Wohnens bzw. eine mehrheitliche Ausstattung der Zimmer mit individuellen Badzellen diskutiert. Die großzügigen Raumangebote für die Wohngemeinschaften könnten dies verkraften. Ebenso wird der tiefe Grundrissbereich im Osten mit seiner Belegung als Kapselhotel eher als verzichtbar angesehen und könnte zugunsten freier Wohnmöglichkeiten ausgenutzt werden.

Der Nachweis der überdachten Fahrradstellplätze wurde leider nicht auf eigenem Grundstück erbracht. 

Insgesamt wurde der Entwurf als stringent entwickelter Beitrag auf der Basis einer sehr interessanten strukturellen Lösung für das junge Wohnen am Standort gesehen, der auch mit seiner architektonischen Präsenz und Strahlkraft zu beiden Seiten – Stadt und Binnenraum – überzeugt.

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